Gudrun und die Morcheln...

Nachdem mich Dieter Honstraß 2007 mit dem Pilzvirus infizierte und ich von da an jeden Kurs belegte, der mir möglich war, war das Thema Morcheln nur noch eine Frage der Zeit.

Im Frühjahr 2008 bestaunte ich die erste „freilaufende“ Mini-Käppchenmorchel- und wunderte mich noch, wie man um so ein Mickerding so ein Getue machen kann. Zu meiner Verteidigung muss ich sagen, dass ich bis dato auch noch keines dieser Mickerdinge in meiner Sahnesoße hatte...

Der ersten Käppchenmorchel folgten viele, viele, viele. Anfangs noch unter Anleitung von Dieter, doch ausgestattet mit dem besonderen Wissen über Morcheln war es für mich ein Leichtes, auch in und um Göttingen dutzendweise Funde zu verzeichnen. Das Morchelfieber hatte mich erwischt. Es gab kein Halten mehr.

Und dann fand ich meine erste Speisemorchel....mannomann, war das ein Freudentanz im Wald!

Es verging 2008 kein Tag in der kurzen Morchelzeit, an dem ich nicht versuchte, eigene Speisemorchelstellen nachzuweisen. Trotz größter Anstrengungen gelang es mir damals noch nicht.

Mittlerweile habe ich mich aber hochgemorchelt.

Eine durchaus schweißtreibende Angelegenheit. Kein Weg ist zu weit, kein Wetter zu eklig, um nicht nach den kleinen Goldstücken zu suchen. Egal, ob Käppchen-, Spitz- oder Speisemorchel.
Ab spätestens Dezember werden die Tage runtergezählt, mit den Hufen gescharrt, zuhause der Mann angestänkert, ob er die nächste Morchelsaison wohl auch sooooo schlecht abschneiden will, wie in der letzten (damit er sich auch ja anstrengt)...

Und dann ist sie endlich da: die heiß ersehnte Morchelzeit. Die geilste Zeit im Jahr!!!

Ab Erstfund des Jahres verschiebt sich das komplette Funktionsraster bei mir.
Hausarbeit, Gartenarbeit, Buntwäsche und anderer überflüssige Kram wird auf Sparflamme runtergefahren, Kind überwiegend mit Freizeit und Fertigpizza versorgt, und Mann mit den Waffen einer Frau unter Erfolgsdruck gesetzt.

Jede gefundene Morchel bekommt von mir das Höchstmaß an Aufmerksamkeit.
Mit nicht enden wollender Hingabe und einer selbst mir unbekannten Engelsgeduld putze ich auch das verwachsendste Morchelchen.
Wenn sie dann nach Größe aufgereiht zum Trocknen vor mir liegen....dann träume ich schon von den köstlichen Speisen, die mir die Wartezeit bis zur nächsten Saison verkürzen werden.
Manchmal beim Öffnen meiner Vorratsdosen fällt mir auf, dass ich sogar bei manchen getrockneten Morcheln noch weiß, wo genau ich sie gefunden habe.

Morcheln sind für mich die absoluten Glückspilze- denn um sie zu finden, muss man das Glück haben, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Das Finden dieser Glückspilze macht nachweislich auch stets den Finder glücklich.
Morcheln sind für mich auch Zauberpilze. Beim Anblick dieser kleinen Kumpel ist jeder Anflug von schlechter Laune wie weggezaubert.
Morcheln sind für mich Vitalpilze. Selten im Jahr bin ich so was von aktiv unterwegs wie zur Morchelzeit. Kilometerweise Märsche, Berg hoch, Berg runter, das macht fit.
Morcheln sind Diven. Kapriziöse Geschöpfe, die sich sofort zurückziehen, wenn ihnen was nicht in den Kram passt.
Morcheln finden ist vergleichbar mit richtig gutem Sex. Nur kann man den das ganze Jahr über finden- Morcheln nicht.

Sicherheitshalber habe ich sie bei meiner Hochzeit mit meinem lieben Frank in der Morchelzeit 2010 mal gleich mitgeheiratet.


Das muss doch wohl dann Liebe sein....